Unsere Innenstädte müssen sich neu erfinden – aber wie?

Statement von Klaus Mensing für die „Niedersächsische Wirtschaft“

Unsere Innenstädte müssen sich neu erfinden – aber wie? Die Niedersächsische Wirtschaft (NW) hat Experten aus verschiedenen Disziplinen diese Frage gestellt – auch an Klaus Mensing.

Lesen Sie hier sein Statement.

Die Ausgabe der NW finden Sie unter https://www.hannover.ihk.de/ueber-uns/ihk-medien/niedersaechsischewirtschaft.html.

Innenstädte haben sich immer wieder gewandelt und zum Teil auch neu erfunden – die jetzige Situation ist jedoch besonders dramatisch: als Folge langjähriger Handelstrends, des Onlinehandels und aktuell der Corona-Pandemie. Ideen gibt es genug und haben meist mit „Erlebnis“ zu tun. Die zentrale Frage ist jedoch: Wie lässt sich das umsetzen?

Aufgrund der Projekterfahrungen von CONVENT Mensing sind finanzielle Anreize notwendig, um auf leeren Flächen neue Nutzungen anzusiedeln, die neue Zielgruppen ansprechen und für mehr Frequenz und Erlebnis sorgen: Handelsnutzungen mit frischen Ideen, innovative inhabergeführte Betriebe oder Pop-up Stores, aber auch Nicht-Handelsnutzungen wie Kita, Kultur, Coworking oder urbanes Handwerk? Pointiert formuliert: Was kommt, wenn der Handel geht?

Für diese Nutzungen müssen neben neuen Flächenzuschnitten die vorherigen Marktmieten des Handels nach unten angepasst werden – mit Konsequenzen für Renditen und Immobilienwerte. Allein mit gutem Willen werden wir dies vermutlich nicht realisieren. Insofern halte ich es für unausweichlich, dass die Kommunen, unterstützt durch Fördermittel von Land und Bund, aktiv werden, indem sie durch Verhandlungen mit den Eigentümern Schlüsselimmobilien an frequenzstarken Standorten erwerben oder anmieten, um sie dann günstiger an neue Nutzer zu vermieten und so den Besatz zu steuern. Der Markt wird dies allein nicht regeln.

Fazit: Neben der Frage, WAS die Innenstädte zukünftig bieten sollen, geht es ganz wesentlich darum, WIE sich die Stadtzentren neu erfinden können. Hierfür braucht es neue Initiativen und Instrumente, kreative Stadtmacher*innen und neue gemeinwohlorientierte Aushandlungsprozesse zwischen öffentlichen und privaten Akteuren.[1] Daran führt kein Weg mehr vorbei.

 

[1] Der Autor hat 2019 / 2020 die Ad-hoc-Arbeitsgruppe „Zukunft der (Stadt-)Zentren ohne Handel? Neue Impulse und Nutzungen für Zentren mit Zukunft“ der Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Bremen / Hamburg / Niedersachsen / Schleswig-Holstein der Akademie für Raumentwicklung in der Leibnitz-Gesellschaft (ARL) geleitet. Die Ergebnisse wurden im Juni 2020 in einem ARL-Positionspapier veröffentlicht. (Download unter www.arl-net.de / Publikationen)


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