Was kommt, wenn Corona geht?

Die Zukunft des Handels und der (Stadt-)Zentren und Handlungsempfehlungen

Das Corona-Virus krempelt das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben derzeit komplett um – mit den bekannten negativen, aber möglicherweise auch mit positiven Folgen. Dies betrifft aufgrund des Lockdowns in hohem Maß Handel, Gastronomie und Kultur in den Zentren und somit die Zukunft der Innenstädte und Ortskerne.

Dabei trifft das Virus auf bereits laufende Prozesse wie den Strukturwandel im Handel, den Onlinehandel, verändertes Kundenverhalten, Nachfolgeprobleme inhabergeführter Geschäfte usw. Hier sind seit Jahren Trading-down-Prozesse zu beobachten, deren Konsequenzen in den letzten Wochen stärker wahrgenommen wurden, da die Fußgängerzone leer war und das Lieblingsgeschäft um die Ecke wegen des Lockdowns geschlossen hatte. Derzeit laufen die Geschäfte wieder an – die Kundenfrequenzen liegen jedoch noch auf sehr niedrigem Niveau.

Zentrenrelevant waren viele Geschäfte schon immer, zumindest für die Stadtplanung. Vielleicht werden diese jetzt systemrelevant – für Kommunen und Konsumenten.

Was bleibt, wenn Corona geht? Welche Entwicklungsszenarien sind wahrscheinlich – und was können die Kommunen tun? Und was können die Zentren neben Geschäften noch an Mehrwert bieten, um mit einem attraktiveren Mix die Menschen wieder zum Bummeln und Shoppen zu locken?

Der durch das Coronavirus erzwungene Lockdown hat – neben negativen Folgen – in kurzer Zeit auch Positives bewirkt: auf Seiten des Handels eine stärkere Digitalisierung, den Aufbau von lokalen Online-Plattformen, neue Lieferservices, eine verstärkte Kundenansprache („Wir sind noch für Euch da!“) etc. Und auf Seiten der Bevölkerung insbesondere in gewachsenen (Stadt-)Zentren mit einem noch inhabergeführten Geschäftsmix eine höhere Wertschätzung: Die Menschen kümmern sich um ihren Lieblingsladen und ihr Lieblingsrestaurant, nutzen Buy-local-Plattformen, kaufen Gutscheine etc. – unterstützt durch die Medien und sozialen Netzwerke.

Was bleibt, wenn Corona geht? Welche Entwicklungsszenarien sind wahrscheinlich – und was können die Kommunen tun?

  • Bewirkt dieser „heilsame Schock“ bei Handel und Kunden, dass ein „Ruck“ durch die Einkaufslandschaft geht, der zu dauerhaften positiven Verhaltensänderungen führt? Mehr Wertschätzung für den lokalen Geschäftsbesatz, bewusstere Einkaufgewohnheiten, stärkere Onlineaktivitäten auch kleiner Geschäfte plus höhere Kundenorientierung.
  • Oder werden durch das Virus (bereits vorher) nicht mehr wettbewerbsfähige Geschäfte aufgeben müssen – und die Kunden kaufen noch mehr bei Amazon & Co.? Orientieren sich die Kundenströme dauerhaft um? Und was passiert mit der Gastronomie, die doch vor Corona ein wichtiger Frequenzbringer war?

Nun standen viele Ortskerne und Innenstädte bereits vor Corona unter Druck aufgrund der genannten Trading-down-Prozesse. Bewegt das Virus die Kommunen zu einem aktiveren Handeln und zu einem strategischen Besatzmanagement – und Eigentümer zu moderateren Mietsteigerungen?

Was können die Kommunen tun? Handlungsempfehlungen:

Die drei wichtigsten Empfehlungen lauten: Analyse, Dialog und aktives Steuern und Umsetzen.

  1. Analyse: Wie ist die aktuelle Lage der Geschäfte? Welche Geschäfte könnten in den nächsten Jahren schließen, z.B. aufgrund fehlender Nachfolge? Hier hilft die Alters-Leerstands-Karte aus der ToolBox Ortskernentwicklung.
  2. Dialog: v.a. mit Eigentümern und Geschäftsleuten, aber auch Vereinen, Institutionen, Kirche oder „kreativen Stadtmachern“ und mit den Bewohner*innen, um gemeinsam zu überlegen, wie das Zentrum in 3 bis 5 Jahren aussehen soll, welche Geschäfte dann noch vorhanden sind, welche Zielgruppen sich dann dort aufhalten, welche Angebote gewünscht sind und so weiter.
  3. Steuern und Umsetzen: Die Kommunen müssen aktiver den Geschäftsbesatz und die Nutzung einzelner Grundstücke steuern. Hier hilft ein lokales Förderprogramm, das Eigentümern Investitionsanreize bietet und dadurch privates Kapital mobilisiert.

Fazit: Zentrenentwicklung und -transformation müssen zukünftig als Teil der Daseinsvorsorge begriffen werden und somit zu den Kernaufgaben kommunaler Verwaltungen und Politik zählen. Dabei ziehen Kommune, Eigentümer und Gewerbetreibende sowie die Bevölkerung an einem Strang, wenn es um lebendige Zentren, werthaltige Immobilien, gute Geschäfte und ein attraktives Einkaufserlebnis geht.

Lesen Sie ausführlich zu möglichen Entwicklungsszenarien und praxiserprobten Handlungsempfehlungen:

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